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"A weblog is a frequently updated web site where the content is often in reverse chronological order." (Mena Trott)
It contains a perfectly random assortment of thoughts, ideas, references and complaints, and they are all mine! (CD)

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Name: Christian Dreyer
Location: Switzerland

September 13, 2009

Witzig, witzig

On rare occasions, there's a German post on this blog. This is one of those rare occasions, because the post's object is a German language talk that I attended. Sorry about that.

Vor ein paar Tagen habe ich im Rahmen einer Flying Science Reihe einen ausgezeichneten Vortrag von Jochen H�risch mit dem Titel Witzig, witzig - was ist lustig? geh�rt. Meine Aufnahme des Vortrags ist - mit Placet des Referenten - hier verf�gbar. Die Kernthese des Vortrags hat mich schockiert: Das einzige, wor�ber man heute nicht lachen d�rfe, sei die Religion. Begr�ndet wurde diese Feststellung mit den m�glichen Folgen solcher Witze - d�nische Karikaturen usw lassen gr�ssen.

Meiner Meinung nach ist diese These falsch auf so vielen Ebenen, dass ich ohne umfangreiche Abhandlung nicht darauf eingehen kann. Nur soviel: allein die Fixierung auf die Religion ist viel zu allgemein, da sich nur monotheistische Religionen so ernst nehmen, dass sie Humor nicht zulassen. Den G�ttern sei Dank kann ich mir eine detaillierte Kritik aber ersparen, weil der Referent selbst seine These in derart vielf�ltiger Weise k�stlich gebrochen hat, dass er sie offensichtlich selbst nicht Ernst nimmt. Ein wahres Lehrst�ck der Selbstironie und echtes Vergn�gen also - nur schade, dass nach dem (kurzen) Referat keine Diskussion zugelassen worden ist.

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July 18, 2008

Email in Sch�nenbuch

Die Weltwoche ist zwar auch nicht mehr, was sie mal war (daher ist sie jetzt auch abbestellt), aber wenn sie schon die Gastrokritik eines der beiden Restaurants meines Wohnorts bringt, muss sie zitiert werden: "Email hat hier drin noch nichts mit elektronischer Post zu tun, sondern ist ein Schmelz�berzug, mit dem man vor Urzeiten Reklameschilder verzierte". Gute Idee - lies selbst.

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April 06, 2008

Homer

Homer singt Tod und Klingen, zaubert Hexameter durch die Jahrtausende, sechs Hebungen pro Vers, �ber jede rumpelt der tote K�rper Hektors, den Achill in seinem Zorn vor den Mauern Trojas herumschleift. Wie Blitze zucken altgriechische Grosssbuchstaben am Himmel �ber den Helden, O?Y??EY? bohrt sich als zischheisser Pfahl ins Auge des Riesen Polyphem. Pf�hle, Lanzen und steil ragende Phalli - und jetzt also soll Homer ein Eunuch gewesen sein?
Ein literarisches Fundst�ck besonderer G�te aus Stefan Zweifels gelungener Kolumne zur Sonderausstellung Homer, die ich ganz bestimmt besuchen werde. Schliesslich: Honi soit qui jaune y pense.

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January 15, 2007

Pappenheimers Propaganda

Ein Gespr�ch mit bedrohten W�rtern

In den stillen Winkel eines antiquierten Buches hatten sich Pappenheimer und Pfennigfuchser verdr�ckt, als ich sie zuletzt traf. Gleich beim ersten Lesen machten sie einen niedergeschlagenen Eindruck; gaben ihre Depression auch sofort zu. �Traun!�, riefen sie unisono, und da ich verst�ndnislos guckte, schob Pappenheimer vorsorglich eine �bersetzung nach: �F�rwahr!� Meinen Kommentar, auch diese Wortwahl t�ne ziemlich altert�mlich, quittierte er mit einem Seufzer. Er wies hin�ber in die Abteilung G, wo die Kollegen Grisette, Galan und Gendarm aschgrau auf dem Boden hockten. Irgendwie angestaubt sahen sie aus. �Das ist ja unser Problem�, meinte Pappenheimer. Kaum jemand benutze sie noch. Zwar seien sie viel distinguierter im Munde zu f�hren als die neudeutschen �quivalente, doch d�rfe man sich nichts vormachen: Sprachsoziologisch betrachtet, seien sie schlimmer dran als das abgeh�ngte Prekariat. Ein Dasein ohne Perspektive. Wiederbelebung ausgeschlossen.

Mein aufmunternder Hinweis auf die j�ngste Initiative des Sprachdenkmalpflegers Bodo Mrozek verfing nicht. Seit Mrozek in zwei B�nden sein �Lexikon der bedrohten W�rter� vorgelegt habe, f�hle er sich wie endg�ltig eingesargt, knurrte Pappenheimer. Und dann noch dieser �ffentliche Wettbewerb im Internet, bei welchem bis Ende Februar jeder hergelaufene Naseweis einen unmassgeblichen Vorschlag f�r ein bedrohtes Lieblingswort einreichen k�nne. Ihm sei ganz bl�merant zumute, wenn er sich auf jener Liste stehen sehe, eingezw�ngt zwischen Pantoffelheld und Pappenstiel, und im weiteren Umfeld ges�umt von ephemeren Szene-Ausdr�cken wie �Pogo� und �Popper�, die doch, mit Verlaub, in eine ganz andere Liga geh�rten. Einen Redaktor der �S�ddeutschen Zeitung� habe er k�rzlich auf diese Missverh�ltnisse hingewiesen, fuhr Pappenheimer, ein Grinsen unterdr�ckend, fort, und dieser sei denn auch entschieden kritisch mit der Website www.bedrohte-Woerter.de ins Gericht gegangen, habe die Betreiber ob ihrer Taubheit f�r Nuancen ger�ffelt und Falschmeldungen wie das zwar in seiner Bedeutung ver�nderte, aber gewiss nicht gef�hrdete Allerweltswort �geil� angeprangert.

Ob er derlei nun auch von mir verlange, wollte ich wissen. Pappenheimer blickte verschmitzt. Die NZZ gelte doch als gebildetes Blatt, meinte er mit einer Wendung ins Vertrauliche. Was ein Ceterum censeo sei, wisse ich dann ja wohl. Sollte mir wirklich daran gelegen sein, ihn nachhaltig aufzumuntern, dann m�sse ich eben k�nftig im Feuilleton den Cato geben. Nein, nicht um zur Vernichtung der Neologismen aufzurufen, welche heuer die alten W�rter von ihren Pl�tzen verdr�ngten. Das sei v�llig zwecklos, denn die W�rter �nderten sich ja auch deswegen, weil sich die Welt ver�ndere. Andere Dinge, andere Namen. Aber jemanden wie ihn gebe es immer. Wenn ich nun jeden meiner Artikel mit dem Ausruf �Ich kenne meine Pappenheimer!� beschl�sse, sei das f�r mich v�llig ungef�hrlich, f�r ihn aber eine grosse Hilfe. Er sah mich dr�ngend an. Ich schlug das Buch eilig zu.

Joachim G�ntner in der NZZ.

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